Man kann zur Presse ja stehen wie man will, aber wenn Yahoo schreibt
Marco W. könnte nach Verurteilung nach Deutschland zurück
dann hört sich das meines Erachtens schon so an, als ob der Kerl schuldig ist. Immerhin bedeutet der Satz ja irgendwie, dass man von einer Verurteilung ausgehen muss, und das tut man im Allgemeinen nur, wenn die Schuld feststeht… klar, in einem Land wie der Türkei kann es auch mal sein, dass man – zumindest nach deutschen Gesetzen – nicht schuldig ist und trotzdem verurteilt wird.
Nun aber zum eigentlichen Punkt. Im nächsten Satz des wirklich sehr kurzen Artikels heißt es:
Der wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens angeklagte Marco W. aus Uelzen wird erst nach einem Urteil des zuständigen Gerichts in der Türkei nach Deutschland zurückkehren können.
Das aber bedeutet ja nichts anderes, als dass der Junge einfach nur vor Gericht erscheinen muss, damit das wiederum seinen Job tut – ihn entweder zu verurteilen oder eben freizusprechen. Von einem Schuldeingeständnis oder klaren Beweisen, die für seine Schuld sprechen, wird kein Wort erwähnt. Dass es Abkommen zwischen Deutschland und der Türkei gibt, die ein gegenseitiges Ausliefern ermöglichen, ist meines Erachtens keine Neuigkeit.
Ich finde die Aufmachung des Artikels auf jeden Fall höchst unseriös und irreführend. Offensichtlich hat die Bild-Zeitung auch bei so genannten „seriösen“ Journalisten ihre Spuren hinterlassen.