Heute morgen habe ich meine Mutter zum Flughafen begleitet. Sie fliegt erst zum dritten Mal in ihrem Leben und ist dementsprechend auch etwas „unbedarft“ was den ganzen Vorgang von Check-in, Sicherheits- und Passkontrolle, usw. angeht, sodass sie da etwas Unterstützung braucht – wenn auch nur moralische.

Bei der Sicherheitskontrolle wurde sie gefragt, ob sie Flüssigkeiten bei sich trägt. Hat sie verneint (darauf haben wir sie schon vorbereitet, dass sie keine Getränke o.ä. mit ins Handgepäck nehmen darf) und wurde darauf hin gebeten, ihre Handtasche zu öffnen. Dort fand die Dame von Sicherheitskontrolle zwei Plastikbeutel. Zugegebenermaßen, es waren nicht die 1-EURO-Beutel, die man am Flughafen erstehen kann (und in die man vorschriftsmäßig seine Kosmetika eintüten muss, wenn man sie im Handgepäck mitnehmen will), sondern einfache Frühstücksbeutel von Aldi. Waren aber nicht gut genug. Nein, man muss einen 1-EURO-Beutel kaufen, der natürlich viel kleiner ist und sich nur dadurch kennzeichnet, dass er etwas fester und mit Verschluss ist. Mehr aber auch nicht.

Am unverständlichsten fand ich aber die Beschwerde der Dame, meine Mutter habe eine Zahnpastatube in der Größe von 125 ml im Handgepäck – man darf nur 100 ml Zahnpastatuben mit sich führen!

Klar, man kann eine Zahnpastatube natürlich in seinen Koffer tun. Es ist nicht unbedingt notwendig für einen kurzen, ca. einstündigen Flug Zahnpasta dabei haben zu müssen, trotzdem hat sie wohl in aller Eile die Tube noch ins Handgepäck gesteckt.

Das eigentliche Problem hier ist ja auch nicht, dass sie eine Tube dabei hatte, sondern dass sie um 25 ml (!) zu groß war.

Nun habe ich schon Verständnis dafür, wenn Sicherheitskontrollen effizient sind – wenn man dadurch irgendwelche Idioten davon abhalten kann, sich und andere zu gefährden, dann bin ich die erste die dafür ist. Aber was hier geschieht, hat mit effizienter Sicherheitskontrolle oder der Vermittlung eines Sicherheitsgefühls, das vielleicht nur eine psychologische Wirkung hat, nichts mehr zu tun.

Ich erinnere mich da an ein Handbuch eines Unternehmens zum Thema Epidemien und Vogelgrippe. Das Handbuch war in erster Linie an Unternehmen gerichtet, die bei auftretenden Epidemien evtl. entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen, um ihre Mitarbeiter zu schützen. In diesem Handbuch kam man auch auf das Thema Thermoscanner zu sprechen.

Thermoscanner sind so eine Art Kamerasystem zur Temperaturkontrolle von z.B. Menschen. Eingesetzt wurden sie z.B. auf kanadischen Flughäfen während der SARS-Epidemie, um damit potenzielle Infektionsträger herauszufiltern, ehe die die Krankheit weitergeben konnten.

In eben besagtem Handbuch wurde also darüber diskutiert, ob Unternehmen evtl. Thermoscanner einsetzen sollten. Erwähnt wurde dabei, dass die Temperaturmessung zur Erkennung von Krankheitsträgern zu unspezifisch ist – nicht jeder weist immer gleich eine erhöhte Temperatur auf, und Fieber kann auch bei anderen, nicht so gefährlichen Krankheiten auftreten. Auf jeden Fall wurde darauf hingewiesen, dass während der SARS-Epidemie mit solchen Thermoscannern kein einziger der später bekannten Infektträger aufgespürt werden konnte, und das obwohl diese sehr wohl auf Flughäfen unterwegs waren. Schließlich wurde darauf hingewiesen, dass Thermoscanner wohl doch eher nur eine beruhigende Wirkung auf Menschen haben. Purer Aktionismus, um es mal so auszudrücken.

Genau das geschieht zur Zeit auf Flughäfen. Dort wird nicht nur sinnloser Aktionismus betrieben – der im übrigen auch noch negativ bei den Fluggästen aufstößt, weil man sich nicht sicherer sondern nur schikaniert fühlt -, sondern auch Geldmacherei. Ein Plastikbeutel a la Melitta Zip-Loc hindert keine mit Sprengstoff gefüllte Tube daran zu explodieren, auch nicht wenn er 1 EURO kostet!